Superzellen-Typen
Die klassische Superzelle
Bei der klassischen Variante handelt es sich um die häufigste Erscheinungsform einer Superzelle. Charakteristisch ist ein breiter Niederschlagsbereich, wobei sich der Kern mit den heftigsten Niederschlagsintensitäten hakenförmig um die Mesozyklone wickelt (Hook Echo). Verglichen mit LP-Superzellen liegt bei der klassischen Form ein erhöhtes Tornado-Risiko vor. Von der Umgebung der klassischen Superzelle hängt ab, welche Eigenschaften die Zelle im späteren Teil des Lebenszykluses annehmen wird. So kann die klassische Superzelle beispielsweise mit anderen Zellen in der Nähe verschmelzen und sich zu einer Böenlinie entwickeln. Üblicherweise sind alle Risiken (einschließlich Orkanböen, Großhagel, Tornados) mit klassischen Superzellen verbunden.
Die LP-Superzelle
Dieser Superzellentyp ist bei Sturmjägern sehr beliebt, da der stark begrenzte Niederschlagskern das Beobachten der teils spektakulären Strukturen deutlich erleichtert. LP-Superzellen treten auf, wenn der Wind in den höheren Schichten der Atmosphäre über 60 Knoten beträgt. Kennzeichen ist ein relativ kleiner Niederschlagskern, der gut vom Aufwind getrennt ist. Durch den starken Höhenwind fällt nur sehr wenig Niederschlag aus der Basis der Zelle, weshalb man hier von "low-precipitation" spricht. Der Rückflanken-Abwind (Rear-Flank-Downdraft bzw. RFD) ist deutlich schwächer als bei anderen Superzellen-Typen, teilweise sogar visuell überhaupt nicht vorhanden. Relevante Parameter zur Bildung von LPs sind das Feuchtigkeitsprofil der Atmosphäre und die Scherung in niedrigen und mittleren Schichten der Atmosphäre.
LP-Superzellen können trotz geringen Niederschlagsmengen großen Hagel produzieren. Aufgrund des fehlenden Starkniederschlagkerns weisen diese Zellen häufig nur sehr geringe Radarreflektivitäten auf, teilweise sind sie ohne ausgeprägte Fachkenntnisse auf dem Radarbild nicht als Superzellen zu identifizieren. Auffällig ist zudem, dass die Blitzrate im Vergleich zu anderen Superzellentypen eher gering ausfällt und meist innerhalb der Wolke stattfinden.
Die HP-Superzelle
Diese Form der Superzelle hat einen sehr ausgeprägten Starkniederschlagsbereich, welcher sich teils vollständig um die Mesozyklone wickeln kann und so für hohe Radarreflektivitäten sorgt. Besonders in den USA ist dies die vermutlich gefährlichste Erscheinungsform, da ein Tornado visuell oft nicht wahrgenommen werden kann. HP-Superzellen treten nicht so isoliert wie die klassische Variante auf und können in Böenlinien eingebettet sein. Sie treten in Umgebungen auf, wo eine hohe Feuchtigkeit und mäßige bis starke Scherung vorherrschen. Im Gegensatz zu LP-Superzellen kann dieser Typ leichter im Zuge der Radarbild-Analyse identifiziert werden, da häufig stark ausgeprägte Hook-Echo-Strukturen vorhanden sind.
Im Zuge schwacher Höhenwinde treten innerhalb von HP-Superzellen intensive Starkniederschläge auf. In Umgebungen mit extremer Instabilität und starker Scherung können diese Zellen sehr großen Hagel produzieren, als Beispiel sei hier die HP-Superzelle von Reutlingen im Juli 2013 zu nennen. Diese brachte tennisballgroßen Hagel mit sich und verursachte einen Milliardenschaden im Ballungsraum Stuttgart. Die Region unter HP-Superzellen, in der starker Niederschlag die Sicht auf Tornados verdecken kann, wird als „bears cage“ bezeichnet, in dem sich der Niederschlag um die gesamte Mesozyklone wickelt. Der „Bärenkäfig“ ist eine Metapher, die die Gefahr eines Tornados beschreibt, der mit bloßem Auge nicht gesehen werden kann, da er vollständig in Regen gehüllt ist.